Samstag, 11. Februar 2012

3 Monate später :D

Meine Lieben,
Ihr musstet ja wirklich lange auf Neuigkeiten von mir warten. Aber jetzt, jeeeetzt ist der große Moment gekommen, an dem ich endlich mal Zeit finde, um zu schreiben. Nein, ehrlich gesagt bin ich krank, lieg seit 3 Tagen nur im Bett rum und hab nichts besseres zu tun :D Denn unsere ganze Familie wurde von der Kotzeritis befallen. Angefangen hat's mit Suzan, ich gehe nicht weiter in die Details, wie das beim Abendessen so abgelaufen ist. Es griff über auf Pierre-Marin, Anaelle, Agnès und mich. Ich hab zum Glück einen etwas anderen Virus als der Rest, mein Mageninhalt blieb mir erhalten ;) Héloise hat auch über Bauchschmerzen geklagt, aber echte Hello Kitty-erinnen (Wortneuschöpfung von Héloise) teilen eben sogar die gleichen Krankheiten. Sie und Francois sind so ziemlich die einzigen, denen es halbwegs gut geht und die das Haus auch mal verlassen. Wir sind wie in Quarantäne, liegen unter unseren Bettdecken vorm Fernsehr und gucken die Weihnachtsgeschichte. P-M freut das ganze sehr, denn zur schnelleren Genesung wird Coca Cola verabreicht. Mittlerweile ist mir das viel zu süß geworden. (Oh Gott, Sarah, bist du noch da?! :D).
Naja, aber vor dieser Epidemie war alles tiptop. Fangen wir mal mit dem Dezember an. Bei mir kam nicht wirklich Weihnachtsstimmung auf. Denn hier gibt es kein sonntägliches Adventskerzen am Kranz anzünden (es gibt ja nicht mal 'nen Kranz^^), keine Adventskalender und so eine richtige Adventszeit mit Plätzchen backen und singen blieb auch aus. Zum Nikolaus haben die Kinder auch nicht ihre Schuhe geputzt, sondern etwas zu essen und trinken für den Nikolaus in ihre Zimmer gestellt. Es gab auch wirklich nur eine Kleinigkeit. Das hat hier einfach alles nicht wirklich Tradition. Genau wie die Weihnachtsmärkte, die natürlich nicht das selbe wie in Deutschland waren. Unsere "Bretzels" und Glühwein hat man dort zwar auch gefunden, aber eine Kopie kommt natürlich längst nicht an das Original ran. Der Countdown bis zum 17. Dezember schritt also unaufhaltsam voran, Geschenke hatte ich alle längst schon zusammengesucht und meine Aufregung stieg ins Unermessliche! Mein Koffer war proppenvoll und ich bereit zur Abfahrt. Héloise' schluchzte mit ihren großen Kulleraugen ein: "Ich will nicht, dass du fährst.." zum Abschied und bei mir brachen die Dämme :D Aber alles halb so wild, ich komm ja zurück. Jedenfalls hätte ich mir fast in die Hose gemacht, als ich dran dachte, wie ich alleine den richtigen Zug finde, aaalleine den Weg zum Schalter, aalleeeeinee mein Gate, einfach alles mutterseelenallein :D Aber so ist das wohl, wenn man groß wird? Jedenfalls war das ein ordentliches Abenteuer für mich, ich war natürlich viel zu früh da, wurde von dem Sicherheitspersonal auf die Schippe genommen, als mein Handgepäck in diesem monströsen Apparat verschwand und durfte barfuß durch die Sicherheitskontrolle tapsen. HALLO, wer packt denn bitte absolut unnütze dicke Metallstäbe in Schuhsohlen?! Danke, wirklich, war echt super sich vor allen zum Affen zu machen :D
Ich hab den Flug allerdings sehr genossen und in 1,5 Stunden war ich auch schon in Berlin. Und auf einmal sprechen alle deutsch. Und es stehen Sachen an den Wänden, die ich verstehe! Absolut merkwürdig. Ich hab mir meinen Koffer geschnappt, bin zur Empfangshalle gegangen und nach einem ersten glücklichen Lächeln verwandeln sich Mama und ich in schluchzende, heulende, russische Mütter, die sich seit Jaaaaahren nicht mehr gesehen haben. Und alles war auf einmal gut. Zu Hause war alles wie immer, und wir mussten erstaunt feststellen, dass wir uns ja gar nicht verändert haben. Es war alles einfach genau wie vorher. In den 2,5 Wochen in Deutschland hab ich jedem "Hallo, mir gehts gut!" gesagt, der mich gerne sehen wollte, um dann auch festzustellen, dass ich immer noch Sarah bin. Die Zeit verging unglaublich schnell und ich hatte wirklich sehr sehr schöne Momente mit meiner Familie und meinen Freunden. Doch im neuen Jahr, am 3.1.2012 ging es wieder zurück nach Paris. Und eins steht fest: Abschiede sind scheiße. Aber diesmal wusste ich, was mich erwartet und es fiel leichter in den Flieger zu steigen. Da ich abends geflogen bin, hatte ich auch einen unwahrscheinlich schönen Blick auf die Lichter der Großstadt. Am Bahnhof hat mich der Vater abgeholt. Er meinte, Héloise würde ein Lied singen, das ungefähr so geht: "Ich bleib soooo lange wach, bis Sarah wiederkooooommt!". Aber da es schon wirklich spät war, viel zu spät für kleine 4-jährige Mädchen, waren wir der festen Überzeugung, dass sie schon eingeschlafen ist. In meinem französischen Zu Hause angekommen, wurde ich sehr herzlich empfangen. Und, wer hätts gedacht, Héloise war noch wach! Die Kinder überreichten mir sofort meine Weihnachtsgeschenke, meine Jacke hatte ich noch nicht mal ausgezogen. Héloise erheiterte mich gleich mal mit einer ihrer typischen merkwürdigen Fragen:

"Sarah, lädst du mich zu deiner Hochzeit ein?"
-allgemeines Staunen-
Ich:" Welche Hochzeit? Was?!"
H: "Naa, nicht jetzt, aber später irgendwann!"
Ich: "Ööh.. ok, ja!"
H: "Toll! Dann lad ich dich auch zu allen meinen Hochzeiten ein!"

Hihi, das mit den mehreren Hochzeiten fanden die streng katholischen Eltern nicht so witzig, aber lachen mussten wir alle :D

Die Eltern hatten mit dem Abendessen auf mich gewartet. Danach hab ich noch unseren neuen Gast, den Hasen vom Pfarrer, begrüßt und bin dann schnurstracks Richtung Bett gewandert.

Die ersten Wochen liefen ohne Probleme. Wir waren irgendwie alle froh, dass wir wieder beieinander waren. Und Agnès konnte sich gar nicht vorstellen, wie sie die 2,5 Wochen ohne mich überstanden haben. Sehr schmeichelhaft! Am Wochenende, als ich gebabysittet habe, hat mir Héloise beim zu Bett gehen dann offenbart:
"Denn in Wahrheit sind wir Schwestern, Sarah. Deine richtigen Eltern sind nämlich eigentlich Agnès und Francois. Aber die haben dich nach der Geburt nach Deutschland gegeben."
Ich: "Aber ihr habt doch braune Haare!"
H: "Die haben wir uns gefärbt."
Sehr plausibel!
Héloise denkt sich gerne solche Geschichten aus und wartet dann gespannt, wie ich reagiere.
Hmm, in der Zwischenzeit hat die kleine Suzan mit mir wieder fleißig deutsch geübt und einige Wörter dazu gelernt, was ich in meinem Kalender ganz muttihaft notiert habe. "Bitte", "danke", "Bär", "Brot", "Tasse" und "malen" kamen schon aus ihrem Mund. :)

Oh man, ich merke grade, dass einfach so extrem viel passiert ist die letzten Wochen! Ich kann gar nicht alles detailliert erzählen.. Jedenfalls hab ich das eklige, kalte Wetter für ein paar Museumsbesuche genutzt. Als erstes natürlich das Louvre, danach das Musée d'Orsay, das Musée du Moyen Âge (Mittelalter) und das Museum von Nissim de Camondo. Auch hab ich Montmartre besichtigt und mir die Sacré-Coeur von innen angesehen. Fotos waren nicht erlaubt, zum Glück. So konnte man in Ruhe sitzen und staunen. Auf dem Friedhof von Montmartre war ich auch, und das Moulin Rouge wollte ich auch unbedingt sehen. Ich arbeite mich als durch Paris durch, es gibt einfach überall was zu sehen!

Nebenbei passiert auch viel in der Familie. Héloise wurde 5 Jahre alt! Ihr Lieblingsgeschenk kam von mir: eine riesen Hello Kitty Fleecedecke. Da hätte ich ja fast neidisch werden können! Übrigens werden die Geschenke hier erst am Abend überreicht. Der Morgen läuft ganz normal ab, nichts besonderes. Gefeiert hat sie einen Tag vorher mit 6 kleinen Freundinnen und nach 2,5 Stunden waren wir alle fix und alle.
Zwischendurch kamen immer mal komische Momente im Alltag. Zum Beispiel, wenn Héloise mir erzählt, dass sie später Gott heiraten will. Oder wenn der Vater ihr erklärt, dass eine Ehe zwischen zwei Frauen Unsinn ist, weil wir dafür von Gott nicht gemacht wurden. Aber auch auf sowas muss man sich als Au Pair einstellen. Man lebt eben in einer Familie, mit einem anderen Lebensstil und Ansichten. Und es ist nicht meine Aufgabe, es zu ändern, sondern mich anzupassen, auch wenn es manchmal sehr schwer fällt.


Etwas anderes, was uns viel Kraft geraubt hat die letzten Wochen, war Suzans "schwierige Phase". Sie war unglaublich empfindlich, hat um alles ein Theater gemacht. Besonders beim anziehen, Windeln wechseln und in den Kinderwagen/Hochstuhl setzen. Eine Nervenprobe, denn schreien und sich wehren kann die Kleine. Die Mutter hatte alles darauf geschoben, dass die Zähne vielleicht wachsen oder drücken, hat dann auch Medikamente besorgt. Aber der Vater und ich waren skeptisch, da sie ja immer in den gleichen Situationen, die nichts mit ihren Zähnen zu tun haben, angefangen hat eine absolute Krise zu schieben. Mittlerweile ist sie schon ruhiger und umgänglicher geworden, aber das ändert sich auch von Tag zu Tag. Entschädigt wird man mit einem zuckersüß dahingerufenen "Saahaaaaa!" :D und vielen Umarmungen aus Eifersucht auf die Schwester. Die Kinder sagen sowieso so viele Dinge, die einem wirklich Auftrieb geben. Vor allem meine Héloise, die interessante Pläne schmiedet: "Ich stecke Sarah ins Gefängnis, damit sie uns nicht mehr verlassen kann.". Ab und zu ist sie auch sehr philosphisch und stellt fest: "La vie est comliquée!" (zu dt.: Das Leben ist kompliziert!). Wie Recht sie damit hat. Aber es ist auch wunderschön und momentan freue ich mich sehr darauf, dass mein Julian mich nächste Woche tatsächlich besuchen kommt. Die zwei Wochen danach sind hier Ferien und ich fahre voraussichtlich die erste Woche mit den beiden Kleinen und den Großeltern in die Normandie und die zweite Woche mit Agnès und Héloise in die französischen Alpen, wo P-M und Anaelle schon auf uns warten. Das wird wieder eine sehr spannende Zeit. Drückt mir die Daumen, dass ich heil aus dem Urlaub zurückkehre ;D

Jetzt gibts aber erstmal die Bilder aus den letzten Monaten, da ich schon wieder ein kleines Nickerchen vertragen könnte grade!




eins der schönsten Weihnachtsfeste!

Silvester! Frohes Neues Jahr!



Mein Abschiedsessen: Hello Kitty Kartoffeldinger
Bescherung!

Das erste Mal Riesenrad gefahren..

HASE! Haben will..

Musée d'Orsay
Leider nur von außen, innen waren Fotos verboten.



im Louvre ist absolut immer was los
Ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus!

Sooo lustig wie sich die Menschen vor so ein Mini (!wirklich kleiner als erwartet) Lisa Bild zwängen, um auch ja den besten Schnappschuss zu ergattern.


der Ausgang über die Pyramide
die Venus von Milo
der Beweis, dass ich auch wirklich da war ;)

Der Blick, als ich aus dem Louvre kam..

kaputt und glücklich nach diesem Museumsbesuch.. ich komm wieder! :D

La dame à la Licorne (zu dt. die Dame mit dem Einhorn)
sehr berühmt und tiptop erhalten geblieben!

im Musée national du Moyen Âge

Montmartre- in der Zugstation abfotografiert zur Orientierung. Orientierung, thaha^^

Les mur des je t'aime. "Ich liebe dich" auf allen möglichen Sprachen.
Die Frau oben sagt: "aimer, c'est du désordre... alors aimons!"
(zu dt.: Liebe ist Chaos/Unordung/Verwirrung/Durcheinander.. also lasst uns lieben!)

Richtig!
Es war a...kalt! Künstler, Artisten, Musiker-
in Montmartre gehäuft anzufinden. Schööön!




Höhö :D
Der Eiffelturm wird abgeschleppt. Hab eh das Gefühl,
dass das Ding nicht bei jedem gut ankommt..

Das Moulin Rouge! Hatte mehr Prostituierte in den Straßen erwartet, haha :D
Der Friedhof von Montmartre. Riesengroß.. Hier liegen u.A.
Heinrich Heine, Edgar Degas, Émile Zola und Nissim von Camondo, dessen Haus ich
auch besuchte,
Es war spät, ich müde und durchgefroren!
Nicht sooo schick jetzt, aber Hauptsache Moulin Rouge im Hintergrund ;D

SCHNEE! Am 5.2. hats dann auch bei uns geschneit!
So ein Bett will ich auch..
im Museum von Nissim de Camondo
(komplett erhaltenes Haus aus dem 19.Jhr.)
 


Das ganze Haus war noch vollständig möbliert und so wunderschön!

So, ich hoffe ich habe euch jetzt etwas auf den neuesten Stand gebracht :D Beim nächsten Post lasse ich mir nicht so viel Zeit.. hoffe ich!

Abermillionen Küsse aus Paris! :*
Noch 5 Monate!
Und nochmal ein riesen Danke an meine liebe Mama, die die besten Pakete packt!

Eure Sarah, Zaraaaah oder auch Sarinette (Héloise' Erfindung!) :D